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Porschino – der Kauf

Früh morgens, eigentlich noch in der Nacht vom 19. auf den 20. Mai, ändere ich erneut die Parameter für die Suche nach meinem 911er. Ich kann nicht ahnen, dass ich mir dies auch hätte sparen können, aber das Suchfeld wird größer und größer definiert.

Nach dem Mittagessen, um 14:08 am 20. Juni 2016, erhalte ich per eMail von einem Kollegen eine eMail mit einem Expose eines 1988er Porsche 911. Die Mail ist eine Weiterleitung einer Weiterleitung eines Mannes der nichtmal der Besitzer, sondern ein Bekannter des Besitzers ist. Dies werde ich aber erst später herausfinden. Das Expose sieht gut aus, ein G Modell von 1988, 3.2l Carrera mit KAT ab Werk, G50 Getriebe, Fuchs Felgen, deutsches Fahrzeug, gute Farbkombination, gute Historie und mit komplettem Scheckheft bei Porsche. 3. Hand, wobei die 2. Hand ihn nur ein paar Monate hatte. Die 1. Hand hielt den Wagen 21 Jahre, seit 2009 in Besitz des Verkäufers.

Da ich die Eigentumsverhältnisse zu diesem Zeitpunkt noch nicht kenne, schreibe ich dem Bekannten des Eigentümers eine eMail und bekunde mein Interesse. Frage nach dem Preis und ob ein Treffen bei meinem Porsche Spezialisten in Gau-Algesheim möglich ist. Die Antwort zur Klärung der Eigentumsverhältnisse kommt prompt und ich werde an Herrn Bäcker [Name von mir geändert.], welcher der eigentliche Eigentümer ist, weitergeleitet. Herr Bäcker antwortet um 23:17 Uhr ebenfalls per eMail.

Er erklärt, dass der Wagen am Tage zuvor noch TÜV und HU neu bekommen hat. Zwei Kleinigkeiten seien dem TÜV aufgefallen (grüne Plakette falsch und Bremse vorne liegt leicht an). Ansonsten sei er technisch in sehr gutem Zustand und hat 2011 bei Porsche eine neue Glanzlackierung erhalten. Ein erster Aufschlag zum Preis wurde auch genannt, aber mit dem Hinweis, dass er den Markt noch nicht sondiert habe und sich der Preis noch ändern könnte. Einem Treffen in Gau-Algesheim erteilte Herr Bäcker leider eine Absage, aber er hat am Standort des Wagens eine Hebebühne und ein Spezialist ist zur Begutachtung ist ihm sehr willkommen und sogar erwünscht.

Da ich den Markt seit 18 Monaten genau beobachtete ist mir klar, dass der Preis weder gut noch schlecht ist. Er passt ins allgemeine Gefüge, wenn der Zustand wirklich so gut ist wie beschrieben. Das teile ich auch noch am selben Abend Herrn Bäcker mit und verspreche mit Jochen Dronia einen Termin zu machen, um den Wagen Vor-Ort zu begutachten. Der 20. Mai ist ein Freitag, es folgt ein Wochenende. Ein sehr langes Wochenende wenn man auf den Montag wartet.

Mein Bauch sagt: „Dass wird was.“ Deshalb reserviere ich am Samstag schon die Kennzeichen für den Wagen. Mit MZ ist alles nette schon vergeben. In zwei Jahren bekommt er ein H-Kennzeichen und jetzt ein 04-10. Das Kennzeichen muss also entsprechend kurz sein. Dank der Reformen unseren Verkehrsministers Dobrindt gibt es BIN für den Kreis Mainz-Bingen wieder und bei BIN werde ich mit IX11 fündig. Passt perfekt.

Montag morgen um 9 dann ein kurzes Telefonat mit Jochen und im Anschluss mit Herrn Bäcker. Dienstag um 16 Uhr ist die Besichtigung und Probefahrt angesetzt. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, bin ich doch noch nie mit einem Porsche 911 G-Modell gefahren. Passe ich überhaupt rein?

Der Montag zieht sich. Einer inneren Eingebung nach erstelle ich schon alle Dokumente für den Kauf und fülle sie, soweit es möglich ist, aus. Am Dienstag verlasse ich das Büro sehr früh, hole Jochen ab und wir stellen uns in den Stau auf der Schiersteiner Brücke. In ein paar Jahren lachen wir vielleicht darüber, aber die Brückenthematik ist 2015/2016 ein echter Showstopper für die ganze Rhein-Main Region.

Im Speckgürtel von Wiesbaden treffen wir uns mit Herrn Bäcker, der in seiner wunderschönen und ausgebauten Scheune viel Platz und einige Fahrzeuge stehen hat. Auch eine Hebebühne ist vorhanden. Alles sehr sauber, hell und freundlich, obwohl es draußen regnet und entsprechend wenig Sonnenlicht vorhanden ist.

Porschinos alte Heimat

Die Bäcker’sche „Scheune“

Porschino, wie ich ihn auch schon nenne, steht abgedeckt ganz vorne rechts. Bevor wir aber über den Wagen sprechen, bestaunen wir erstmal die Umgebung. Mein Bauch sagt mir, dass Herr Bäcker noch nicht wirklich sicher ist, ob er den Wagen überhaupt verkaufen will. Also nur nicht zu viel Druck aufbauen. Während ich mich mit Herrn Bäcker über alle möglichen Dinge unterhalte (Kinder, Italien, meine Scheune, seine Scheune, Beweggründe einen 911er haben zu müssen), schaut sich Jochen derweil Porschino von aussen an. Ich denke ich kann behaupten, dass eine gewisse beidseitige Sympathie zwischen Herrn Bäcker und mir entsteht. Bei unserem Gespräch kommt der Grund des Exposé zu Tage. Eine latente Idee den Wagen zu veräußern, da er die letzten 6 Jahre kaum bewegt wurde. Da aber aktuell kein Druck vorhanden ist, den Wagen in Geld umzusetzen, ist der Zeitpunkt des Verkaufs vielleicht auch noch nicht gekommen? Ein Moment bei dem mir natürlich erstmal der Atem stockt, denn dieses Fahrzeug will ich eigentlich haben.

Wir wenden uns dem Wagen zu. Jochen bekommt den Schlüssel. Die Zentralverriegelung schnappt auf, die Tür geht auf. Ein erster Blick in den Innenraum. Die blaue Innenausstattung hat Patina. Ich mag es, wenn ein 28 Jahres Auto wie ein gepflegtes 28 Jahre altes Auto aussieht. Patina ist also erwünscht. Die Farbe ist mehr als nur erträglich. Es ist alles da was da sein muss. Die Sitze haben ein paar Stellen, die man vielleicht mal behandeln muss. Das Lenkrad ist durch die Sonne am oberen Bogen ein wenig ausgeblichen und das Leder brüchig.

Ein Dreh am Schlüssel und der Motor springt sofort an. Keine lästigen Nebengeräusche, kein Klappern, kein Drama. Die Tür wird geschlossen, der Klang einer schliessenden 911er Tür kann nur von dem Klang einer sich schliessenden Tür eines Mercedes Benz übertroffen werden. Beides auf ihre Art und Weise einzigartig. Der Wagen rollt mit Standgas in Richtung Hebebühne.

Die Frage nach einer Probefahrt wird erstmal verneint. Der Grund, es regnet. Viel später auf der Heimfahrt checke ich meine eMails und finde dort auch eine Nachricht von Herrn Bäcker. Er fragt an, ob wir denn überhaupt kommen wollen, denn eine Probefahrt sei bei dem Wetter nicht möglich. Da ich diese Mail aber erst viel später lese, weiss ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon.

Der Wagen „hängt“ jetzt eine Etage höher und Jochen inspiziert ihn gründlich. Die Spurstangenköpfe sind noch die Originalen von 1988 und sollten ersetzt werden. Die Bremsleitungen auch. Die Gelenkmanschetten hinten sind beide eingerissen. Der Motor hat das leichte aber typische Boxerschwitzen. Die Reifen sind 10 Jahre alt. Ein paar weitere Kleinigkeiten hier und da. Alles in allem nichts wirklich dramatisches.

Da wir nicht hier sind um den Wagen schlecht zu reden, gehe ich in die Vollen und Frage, ob der Wagen zum Verkauf steht und zwar hier und jetzt. Ich zeige den vorbereiteten Kaufvertrag, die Kennzeichenreservierung und biete an sofort bei der Bank anzurufen und telefonisch, in seinem Beisein, die Überweisung in Auftrag zu geben. Gutschrift am Folgetag.

Es vergehen 60 bis 120 Sekunden, die sich wie Stunden anfühlen und dann wird der Kauf per Handschlag besiegelt. Es fühlt sich grossartig an. Jochen schaut ein wenig ungläubig ob der Geschwindigkeit die hier an den Tag gelegt wird, ist aber ebenfalls von der Qualität des Wagens überzeugt. Wir machen den Papierkram fertig, rufen die Bank an. Ich bekomme die Papiere, Dokumentation und die Schilder des Wagens, damit ich Porschino anmelden kann.

Wir verabschieden uns anschliessend recht zügig, denn es ist spät geworden und Jochen muss zurück in die Firma. Leider wird es noch später, denn auf dem Rückweg fahren wir geradewegs in den nächsten dicken Stau. Ich setze Jochen kurz nach 18 Uhr ab und trete glücklich und voller Ungeduld den kurzen Heimweg an.

Am folgenden Tag bekomme ich von Herrn Bäcker die Bestätigung, dass der Kaufpreis eingegangen ist. Wir vereinbaren zum einen die Abholung am Freitag nachmittags und zum anderen ein Besuchsrecht für Porschino.

Donnerstag der 26.05. ist wieder ein Feiertag und ich mache Online einen Termin zur Zulassung des Wagens am Freitag den 27.05. Ich muss gestehen, dass ich das Thema Zulassung mittlerweile echt gut gelöst finde. An dem Tag war die Hölle los, aber ich kam pünktlich zum vereinbarten Termin dran und war Ruck Zuck wieder draussen.

Am Donnertag besorge ich mir online eine eVB Nummer. Untypisch für mich, da ich normalweise damit einfach und „Old School“ mässig zu meinem Allianz Agenten gehe, auch wenn ich ansonsten zu 100% der 4.0 Typ bin. Da aber Feiertag war und ich am Folgetag früh einen Termin hatte, ging ich diesen Weg. Das „Drama“ mit der DEVK müsste ich gesondert beschreiben, es wurde dann aber zum Glück und dank des DEVK Agenten meines Vertrauens, alles gut.

Die Schilder brennen in meiner Tasche als mich noch am selben Tag um 15:30 mein Kollege Uwe mit seinem 997er 4S aufsammelt, um Porschino abzuholen. Das Wetter war schon wieder nicht gut, aber es regnete am Nachmittag nicht mehr. Ich muss auch gestehen, dass ich weniger Putzer als Fahrer bin. Der Wagen wird bei mir den einen oder anderen Regentag bewegt werden, wenn es gerade angesagt ist. Wert hin oder her, es ist ein geschlossenes Coupe und damit per Definition auch zum Fahren bei Regen geeignet. Putzen tut bei mir die Waschanlage … mal sehen ob ich es hier ändere.

Die Abholung war kurz und schmerzlos. Meine Angst nicht hinein zu passen war unbegründet. Wenn es auch sehr knapp ist, es geht trotz Schiebedach. Da sitze ich also zum ersten Mal in einem 911er G-Modell und es ist sogar mein eigenes. Ich bin vorher noch nie einen 911er selbst gefahren. Herr Bäcker gibt mir eine kurze Einweisung, das Handbuch hatte ich auch schon gelesen, so komme ich ohne Probleme nach einer herzlichen Verabschiedung vom Hof.

Porschino Abholung

Die ersten Meter fahre ich sehr, sehr vorsichtig. Immer mit Uwe im Rückspiegel. Ganz behutsam drehe ich den Motor bis 2000U/Min, schalte früh hoch und rolle mehr als das ich fahre in Richtung 80 bis 100 km/h im 5. Gang als die Ortschaft endlich zu Ende ist und die Landstrasse sich öffnet.

Das Fahrgefühl ist seltsam bis merkwürdig. Man merkt, dass der Wagen lange gestanden hat. Bei ca. 80 km/h habe ich eine Art „hoppeln“, dass allerdings nach wenigen 100 Metern verschwindet. Die Reifen und die Federung fühlen sich hölzern an. Die Lenkung ist knorrig, der Motor wird nur sehr langsam warm. Immerhin der Öldruck liegt im Bereich der im Handbuch als perfekt beschrieben wird.

Dennoch kann dies alles meine Freude über dieses Fahrzeug nicht trüben. Die Fenster heruntergelassen, das Schiebedach geöffnet, lasse ich mich über die Landstrasse treiben. Hinter Wiesbaden geht es dann doch auf die Autobahn. Die A66 ist dreispurig. Ich winke Uwe zum Abschied und dem Moment als er mich überholt, wird er von einem 991er überholt. Ein schönes Bild. Drei Generationen 911 nebeneinander auf drei Spuren. 

Zu hause angekommen sind die Kinder begeistert. Wir machen eine Probefahrt. Die kleine Runde Aspisheim, Horrweiler, Gensingen, Ockenheim, Appenheim und dabei prüfen wir auch gleich die Fähigkeiten des Porschino als Boot denn mitten in der kleinen Runde ergiesst sich über uns Unwetter das seines Gleichen sucht. In der Tagesschau sehen wir am Abend die Bilder aus Wiesbaden. Boote in der Innenstadt. Hagelkörner so gross wie Golfbälle. Noch mal Glück gehabt, bei uns war es nur Regen. Sicher und wieder trocken kommt Porschino in die Garage.

Porschino ist angekommen!

Das Fahrverhalten bleibt die kommenden Tage unbefriedigend. Schon beim Kauf war klar, dass einige Dinge zu tun sind und für den folgenden Freitag habe ich einen Termin bei Jochen. Wenn man einen alten Porsche kauft, muss man immer noch ein wenig Geld in der Hinterhand haben, hat mal ein weiser Porsche Fan gesagt. So ist es wohl auch. Ich erfreue mich noch ein paar Mal an Porschino und gebe ihn vollgetankt am Freitag den 03. Juni 2016 bei Dronia Sportwagen ab. Das Ergebnis findet ihr auch hier.

Porschino

Unglaublich wie schnell doch alles gehen kann … noch am Freitag (20.05.2016) findet mich über Umwege ein Exposé eines 88er Porsche 911 Carrera der fast perfekt passt und heute habe ich den Kaufvertrag unterschieben. Meine Garage bekommt einen weiteren Bewohner und ich bin gerade überglücklich endlich ein G-Modell aus Zuffenhausen mein Eigen nennen zu können. Die ganze Story kommt, weil auch sie es Wert ist geschrieben zu werden, die nächsten Tage/Wochen … ;-). Vielen Dank an dieser Stelle an Jochen Dronia für seine schnelle und unkomplizierte Beratung und auch an den Verkäufer, der sich nur schweren Herzens von diesem Wagen trennt und es dennoch getan hat.